„Die größte Bedrohung für den Wald ist das menschliche Handeln“
Interview mit Franziska Wirth
Die Arbeit von Försterinnen und Förstern ist nicht nur unerlässlich für unsere Wälder, sondern spielt auch eine wichtige Rolle im zweiten Fall der Baumhaus-Agenten. Denn Förster Ralph, dem Felix und Lina bei einer ihrer Walderkundungstouren begegnen, macht die beiden Freunde erst darauf aufmerksam, dass mit ihrem Wald irgendetwas nicht stimmt …
Franziska Wirth ist Försterin und leitet ein Forstrevier in meinem Heimatlandkreis. Gefunden habe ich Franziska eher zufällig … und habe mich umso mehr darüber gefreut, dass sie sich dazu bereit erklärt hat, mir einige Fragen zu ihrer Arbeit zu beantworten. Uns verbindet nämlich nicht nur die Liebe zum Wald: In ihrer Freizeit teilt Franziska meine Begeisterung für das Erzählen von Kindergeschichten – wenn das mal nicht perfekt passt!
Franziska Wirth ist Försterin am Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten und als Revierleiterin für ihr eigenes Forstrevier zuständig. Dort berät und unterstützt sie Waldbesitzende, bietet Führungen für Schulklassen an und überwacht als „Waldpolizei“ die Einhaltung forstlicher Vorschriften – alles mit dem Ziel, den Wald als Nutz-, Lebens- und Erholungsraum langfristig zu erhalten.
Du bist Försterin und leitest dein eigenes Forstrevier. War das schon immer dein Traumberuf? Und wie wird man eigentlich zur Försterin?
Mein Opa hatte einen großen Anteil daran, mich für den Wald zu begeistern. Er hat gemerkt, dass ich mich schon als kleines Kind draußen am wohlsten fühlte: die klare Luft, das Spiel der Blätter im Wind, das Leben und die Abenteuer rund um mich herum. Vor allem die Waldtiere hatten es mir damals besonders angetan. Trotzdem wäre ich von allein nie auf die Idee gekommen, Försterin zu werden. Irgendwie war der Beruf einfach nicht auf meinem Radar.
Als ich viel später dann ernsthaft überlegte, einen Beruf zu wählen, suchte ich mir aus Überforderung professionelle Unterstützung. Ich vereinbarte Termine bei einem Berufsberater, der bereits nach einer Stunde sagte: „Wir können das jetzt abkürzen, ich weiß du solltest selber draufkommen, aber ich habe deinen Job. Du wirst Försterin.“ Heute bin ich dankbar, dass ich mir damals Hilfe geholt habe – sonst hätte ich diese Option vielleicht nie entdeckt.
Man stellt sich ja gerne vor, dass ein Förster den ganzen Tag im Wald unterwegs ist. Zu deinem Beruf gehört aber sicherlich noch viel mehr …?
Als Försterin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten steht für mich zunächst die kostenlose Beratung der Waldbesitzenden im Mittelpunkt: Ich unterstütze Eigentümerinnen und Eigentümer bei Bewirtschaftungsfragen, erstelle gemeinsam Pflegekonzepte und begleite sie bei praktischen Entscheidungen vor Ort. Eng damit verknüpft ist die Förderberatung: Ich weise auf passende Förderprogramme hin, helfe bei der Antragstellung und begleite die Umsetzung, damit nachhaltige Maßnahmen auch wirtschaftlich realisierbar sind. Aber auch Schulklassenführungen für Kinder, vor allem in den 3. Klassen, gehören dazu. Dabei versuche ich den jeweiligen Gruppen die Zusammenhänge von nachhaltiger Waldbewirtschaftung und Naturschutz zu vermitteln. Und auch der Waldschutz in hoheitlicher Funktion gehört zu meinen Aufgaben: Dabei kannst du dir vorstellen, dass ich wie eine Art Waldpolizei unterwegs bin und aufpasse, um die Einhaltung forstlicher Vorschriften sicherzustellen. All diese Aufgaben verfolge ich mit dem Ziel, den Wald als Nutz-, Lebens- und Erholungsraum langfristig zu erhalten. Nichtsdestotrotz gehört natürlich auch die Arbeit am Schreibtisch mit dazu. Aber wenn es draußen manchmal regnet oder im Sommer richtig heiß ist, freue ich mich auch darauf.
Im Buch „Die Baumhaus-Agenten: Wald in Gefahr“ sind die beiden Nachwuchs-Detektive Felix und Lina einem Fall von Umweltverschmutzung auf der Spur, der „ihren“ ganzen Wald in Gefahr bringt. Welche Rolle spielt das Thema Müll im Wald bei deiner täglichen Arbeit?
Täglich begegnet mir Müll im Wald. Das ärgert mich nicht nur, sondern gefährdet unser Wasser, die Tiere und nimmt dem Wald seinen Erholungswert. Bei jeder Gelegenheit spreche ich Waldbesitzende freundlich darauf an, besser auf ihren Wald zu achten, Abfälle mitzunehmen und Rücksicht zu nehmen.
Gemeinsam mit einer Gemeinde, deren Wald ich betreue, habe ich bereits Müllsammelaktionen organisiert und begleitet, um betroffene Bereiche im Gemeindewald zu reinigen und das Bewusstsein vor Ort zu stärken. Zusätzlich nutzen wir gezielt Fördermittel, um nachhaltige Maßnahmen zu steuern – zum Beispiel indem wir auf den Einsatz von Kunststoff-Hilfsmitteln im Wald verzichten und umweltfreundlichere Alternativen fördern.
Ich selbst sammle täglich den Müll im Wald und komme jeden Abend mit vollen Taschen nach Hause. Mir ist wichtig, dass Aufklärung und praktische Sammelaktionen gemeinsam dafür sorgen, unseren Wald sauber und lebenswert zu erhalten. Bei der Gelegenheit: Kennst du schon den Waldputztag? Es gibt sogar eine Online-Plattform, auf der man sich registrieren und dann gemeinsame Aktionen planen kann. Oder man sammelt alleine und kann dann die Menge hochladen.
Leider stellt Müll ja nicht das einzige Problem für unsere Umwelt dar … Wo siehst du aktuell die größten Bedrohungen für unsere heimischen Wälder, aber auch für die Natur ganz allgemein?
Der Klimawandel und die daraus resultierenden Veränderungen wie Trockenheit oder auch Stürme sind die größte Bedrohung für unsere Wälder. Die immer höher werdenden Jahresdurchschnittstemperaturen schwächen die Bäume. Durch anhaltenden Wassermangel und Stress sind sie weniger widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schäden. Gleichzeitig begünstigen höhere Temperaturen und milde Winter Käfer und Pilze, die unsere Bäume angreifen – sie vermehren sich schneller, breiten sich in neue Regionen aus und verursachen so größere Schäden. Waldbesitzende, die in ihrem Wald „alle Bäume räumen“ mussten, haben es zudem immer schwerer, wieder junge Bäume am Leben zu erhalten, denn gerade die jungen Pflanzen sind besonders empfindlich in trockenen Sommern und neigen dazu zu vertrocknen.
Wie können wir lernen, wieder achtsamer mit der Umwelt und unseren Wäldern umzugehen? Welchen Beitrag kann jede*r Einzelne leisten? Und welche Rolle kommt dabei insbesondere unseren Kindern zu?
Eine meiner Lieblingsfragen – aber die Antwort möchte kaum jemand hören: Die größte Bedrohung für den Wald ist das menschliche Handeln.
Weißt du: Ich laufe jeden Tag durch die Wälder und kann dort die Auswirkungen des Klimawandels sehen. Der Waldbesucher jedoch sieht oft nur absterbende Bäume, ohne die Zusammenhänge zu verstehen. Meist wird vergessen, dass wir durch unsere Unachtsamkeit gegenüber der Umwelt und unser tägliches Handeln den Wald gefährden. Beispielsweise haben wir durch unser Reise‑ und Konsumverhalten großen Einfluss auf das zukünftige Klima, die Artenvielfalt und die hoffentlich noch erhaltenen Lebensräume.
Jeder weiß das, doch nur wenige ändern wirklich etwas, obwohl jede und jeder von uns das eigene Verhalten anpassen könnte. Schon kleine Entscheidungen – weniger Flugreisen, bewusster Konsum, regionale, langlebige und nachhaltige Produkte – tragen dazu bei, den Druck auf den Wald zu verringern. Wenn wir verantwortungsbewusst handeln und unsere Gewohnheiten überdenken, können wir alle einen großen Beitrag zum Schutz unserer Wälder leisten.
Vielleicht sollten wir wieder öfter mit offenen Augen durch den Wald gehen und uns bei all den absterbenden oder kranken Bäumen fragen, ob unser nächster Kurztrip mit dem Flugzeug es wirklich wert ist, den Wald unserer Kinder – unsere Heimat – zu gefährden.
„Die Baumhaus-Agenten: Wald in Gefahr“ ist ab sofort überall im Handel erhältlich!
Weitere Informationen zur Buchreihe sowie Bonusmaterial findest du hier.

